Bilder
Text zur Kunst
< zurück

 

Auszüge aus einer Rede von Hannelore Offner anlässlich der Ausstellung von Katja Schütt: Textile Gärten in der Thüringer Landesvertretung, Berlin, Juni 2007

 

.....Ihre Arbeiten befinden sich oft im Schwebezustand zwischen Figürlich und Abstrakt. Sie beschreiten Zwischenreiche, sowohl inhaltlich als auch von der Form. Am Beginn der Arbeit steht häufig eine Geschichte, die die Künstlerin ausgiebig beschäftigt und aus der nach und nach eine bildnerische Geschichte wächst.....

.....Ungewöhnlich ist, dass sie bei ihren Bildern auf Holz arbeitet, sie ritzt ins Pappelholz hinein, schafft Rinnen und Kanäle, wie die Gänge von Holzschädlingen. Sie nennt sie „Fraßbilder“, legt untere Schichten frei, gräbt im Innenleben und tastet sich gleichsam an das Unterbewusstsein heran. Manchmal werden die Holzspäne wieder geschichtet aufgesetzt.

Auf sehr eigenständige Weise beherrscht sie die Komposition und den Zusammenklang der unterschiedlichsten Materialien. Die meisten Bilder leben nicht allein vom Farbauftrag, sind vielmehr Collagen.

Ihre Bildsprache dient nicht nur als Augenreiz. Sie erschafft poetische und abgründige Welten und erschließt damit neue Räume jenseits unserer rationalen Erklärungen.
So wird Kunst zum subjektiven Nachdenken zwischen verschiedenen, auch wesensfremden Realitäten.
Die Motive ihrer Bildfindungen wecken Assoziationen und Erinnerungen, erscheinen uns nicht fremd und geben dennoch Rätsel auf. Sie bewegen sich in einer Zwischenzone wieder erkennbarer Zeichen und wirken wie aus magischen Quellen gespeist, ein Reservoir von Symbolen aus dem Unbewussten: Kürzel aus der Tierwelt und der Botanik, sinnlich, spielerisch umgesetzt, rühren sie an geheime Träume und  Visionen.....

.... Jedes Bild ist weit mehr als das, was wir zuerst schauen, es weist über sich hinaus. Vielleicht  verhilft uns die Malerin, den Geheimnissen des Universums näher zu kommen. So wie ich es bei dem Kriegsheimkehrer Erich Kästner in seinem „Zeltbuch von Tumilat las: „Bilder sind im Gegensatz zu den Gedanken das Einzige wodurch das Unfassbare zu uns spricht. Die Seele ernährt sich von Bildern.“